Agilität – warum wir sie für moderne Organisationen so dringend brauchen (auch wenn wir alle schon von dem Begriff genervt sind)

Inzwischen ist fast jedes Geschäftsmodell und der Großteil der Wirtschaft von der zunehmenden Digitalisierung betroffen. Darum können Unternehmen nicht mehr stillstehen und hoffen, dass der Kelch der Veränderung an ihnen vorüberzieht. Organisationen müssen sich verändern, weil sich sowohl Technologien als auch die Menschen, die sie nutzen, stetig und immer schneller verändern. Arbeitsplätze sind Lebensräume geworden und müssen den Menschen gerecht werden, die an ihnen arbeiten – gewissermaßen als „artgerechte Haltung“. Wir sind Teil einer Mobilitätsgesellschaft und leben in vielen Teilen eine „Always-Online-Kultur“. Informationen sind jederzeit verfügbar. Jeder von uns ist immer und überall erreichbar. Das Internet und soziale Netzwerke gestalten unser privates Leben und ganz wesentlich auch unseren Arbeitsalltag neu und führen zu einem spürbaren Wandel in Gesellschaft und Wirtschaft.

Auch Unternehmen müssen deshalb heute mehr denn je den Blick über den bekannten Tellerrand wagen. Die Vernetzung der Menschen innerhalb eines Unternehmens und auch zwischen unterschiedlichen Organisationen und Märkten rückt dabei immer weiter ins Zentrum der Veränderung. Es entstehen dabei automatisch flexiblere und agilere Formen der Zusammenarbeit. Hierarchische Unternehmensstrukturen, die im Industriezeitalter entstanden sind, weichen vermehrt alternativen Führungsansätzen. MitarbeiterInnen erwarten heute Mitgestaltung am Unternehmen und Austausch auf Augenhöhe – so, wie es digitale Medien vormachen.

Und warum gerade agil? Bringt das wirklich so viel? Laut Untersuchungen des Project Management Institute PMI setzen mittlerweile über 70% der befragten Unternehmen agile Methoden für ihre Projekte ein. Der Chaos Report der Standish Group zeigt, dass durchschnittlich gerade einmal 8% aller agilen Projekte scheitern, gegenüber 21% bei Wasserfall-Projekten. Der Unterschied wird umso deutlicher, je größer das Projekt ist. Hier liegen die Werte für sehr große agile Projekte bei 16% und für Wasserfall-Projekte bei 35%. Scheitern bedeutet in diesem Zusammenhang, dass zum Beispiel das Budget oder der zeitliche Rahmen massiv überzogen wurde. Häufig wird ein Produkt zwar innerhalb der Budget- und Zeitvorgaben fertig, ist aber bereits bei Fertigstellung veraltet und passt nicht mehr zu den sich schnell ändernden Kunden- bzw. Anwenderanforderungen.

Es braucht einen neuen Mix, ein neues Denken und Agilität ist dabei ein wichtiges Puzzleteil. Wir sind herausgefordert lernende Organisationen zu gestalten. Veränderungen anzustoßen, von und mit den Nutzern lernen und das Gelernte in eine Produktentwicklung mit internen und externen Nutzerkreisen einbinden. Dies ermöglicht uns eine deutlich gesteigerte Reaktionsfähigkeit im stetigen Wandel. Veränderung zu managen – das wird eine zunehmend wichtigere Aufgabe von Organisationen. Diese Aufgaben können zukünftig nicht mehr von einzelnen Führungskräften bewältigt werden, sondern werden Teil einer unternehmensweiten DNA: Andere Formen der Zusammenarbeit, agile Strukturen, um sicherer auf Veränderung zu reagieren, neue Geschäftsmodelle. Der große Fokus, ist dabei das Netzwerk. Es geht nicht nur darum NEU zu denken, sondern insbesondere darum, ANDERS zu denken.

Dabei ist natürlich jede Organisation unterschiedlich, hat ihre eigenen Führungsprinzipien, ihre ganz eigene Kultur und Werte. Wenn es uns gelingt diese zu achten, zu akzeptieren und den Mut aufzubringen in kleinen Schritten der Zukunft entgegen zu treten, kann eine evolutionäre und positive Veränderung ganzer Branchen geschehen.

Was heißt das jetzt konkret? Wir starten mit unseren Kunden häufig sogenannte Pilotgruppen. Diese Gruppen vertreten die Bedürfnisse, Herausforderungen und Komplexität der Organisation im kleinen Rahmen statt. So eine Gruppe besteht aus einem repräsentativen Querschnitt der gesamten Organisation, sowie aus Unterstützern und Entscheidern, die eine Veränderung im Unternehmen vorantreiben und mitgestalten wollen. Das Ziel ist es, alle Beteiligten der kultur- und wertverändernden Initiative ins Boot zu holen und die für die Organisation sinnvollen und notwendigen Schritte gemeinsam zu erarbeiten. Nach dem Start dieser Vertretergruppe formulieren wir einen ersten Arbeitsauftrag. WAS soll bis WANN konkret umgesetzt werden? Die Pilotgruppe legt nun mit dem Erarbeiten und Erproben erster Lösungen los. Von diesem Kristallisationskern ausgehend können vielversprechende Ansätze schrittweise auf die Gesamtorganisation übertragen werden. Außerdem teilt die Pilotgruppe fortlaufend ihre Arbeitsstände, Lösungen und Ergebnisse mit der Gesamtorganisation. Das Intranet und interne Kommunikationsplattformen sind hier hilfreiche Werkzeuge, um Transparenz und Einblicke in ihre Arbeit zu geben. Wir begleiten diese Pilotgruppe regelmäßig, um Impulse zu setzen, sich mit anderen Organisationen zu vernetzen und gemeinsam Hindernisse zu überwinden.

Entwicklung findet bekanntermaßen außerhalb der Komfortzone statt. Dieser neue Denk-Mix profitiert von Konzepten und Methoden, wie Scrum, Design Thinking, Lean Start-up und Co. Doch am Wichtigsten sind die Menschen, die diese Methoden einsetzen. MitarbeiterInnen auf jeder Hierarchiestufe schaffen mit ganzheitlichem und vernetztem Denken neue Formen von Organisationen, Führung und Arbeit.